Die Pumpe brummt, und statt Erleichterung spürst du bei jedem Zug ein Stechen – hinterher ist die Brustwarze weiß, geschwollen oder wund. Viele Mütter beißen dann die Zähne zusammen, weil sie glauben, das gehöre eben dazu. Tut es nicht. Hinter Schmerzen beim Abpumpen steckt eine Ursache, und viele davon kannst du selbst finden und oft schon bei der nächsten Sitzung beheben.
Auf einen Blick
- Sitzung
- 15–20 Min.
- Höchstens
- 30 Min.
- Sog
- bis angenehm
- Ärztlich ab
- 38,5 °C Fieber
Was ist am Anfang normal?
Deine Brustwarzen sind in den ersten Wochen nach der Geburt empfindlicher als je zuvor, und eine Pumpe ist für sie etwas völlig Neues. Ein ungewohntes Ziehen beim Ansaugen oder ein leichtes Wundgefühl in den ersten Tagen erleben viele Mütter, ob sie stillen oder pumpen. Auch der Milchspendereflex macht sich bei manchen deutlich bemerkbar: als Kribbeln oder als plötzliches Gefühl von Fülle, das kurz sogar wehtun kann.
Beim Stillen ist gut untersucht, wie lange diese Anfangsphase dauert. Eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration fand, dass die Brustwarzenschmerzen bei den meisten Frauen etwa 7 bis 10 Tage nach der Geburt nur noch leicht waren – ganz gleich, womit sie behandelt wurden. Für das ausschließliche Abpumpen gibt es solche Zahlen nicht. Eine klare Grenze zieht die Academy of Breastfeeding Medicine, eine internationale Fachgesellschaft von Ärztinnen und Ärzten für Stillmedizin: Schmerzen, die länger als zwei Wochen anhalten, gelten als anhaltend und brauchen eine gründliche Ursachensuche.
Du musst aber nicht zwei Wochen abwarten. Schau genauer hin, wenn …
es während der ganzen Sitzung wehtut und nicht nur in den ersten Momenten,
der Schmerz von Tag zu Tag stärker wird statt schwächer,
die Brustwarze nach dem Pumpen weiß, lila oder deutlich geschwollen ist,
sie einreißt, blutet oder einen Bluterguss hat,
dir schon vor jeder Sitzung graut.
Schmerz ist dabei nicht nur unangenehm. Er kann auch die Milch bremsen: Stress und Schmerzen hemmen das Hormon Oxytocin, das den Milchspendereflex auslöst. Wer mit zusammengebissenen Zähnen pumpt, macht es seinem Körper also eher schwerer.
Und falls du dich fragst, ob nur du so empfindlich bist: In einer Befragung aus den USA berichteten knapp 15 Prozent von 1.844 Müttern von Verletzungen durch die Milchpumpe. Du bist also nicht allein. Und manchmal reichen schon kleine Änderungen an Haube und Sog, damit es deutlich besser wird.
Wie lange ist was normal?
- Anfangsziehen
- erste Tage
- Anhaltend ab
- 2 Wochen
- Milchstau
- bis 24 Std.
- Knoten
- bis 3 Tage
Die Brusthaube passt nicht
Die Brusthaube, auch Trichter oder Brustschild genannt, ist der Teil, der auf deiner Brust sitzt. In ihren schmalen Tunnel wird die Brustwarze bei jedem Zug hineingesaugt und wieder losgelassen, Zug um Zug, die ganze Sitzung lang. Passt der Tunnel nicht, reibt oder drückt es genau dort, wo deine Haut am empfindlichsten ist.
Oft wird einfach die Haube benutzt, die gerade in der Packung liegt. Dabei gibt es Hauben in vielen Größen, und das hat seinen Grund: Brustwarzen sind sehr unterschiedlich. Sogar deine beiden Seiten können verschieden groß sein, und die Größe kann sich im Lauf der Stillzeit ändern. Eine Haube, die vor sechs Wochen gepasst hat, kann heute zu eng oder zu weit sein.
Zu eng ist die Haube, wenn …
die Brustwarze an der Tunnelwand reibt, statt frei vor und zurück zu gleiten,
sich an ihrem Ansatz ein blasser Ring bildet oder sie sich lila verfärbt,
sie danach wund ist, Bläschen oder Risse hat,
trotz Pumpen nur wenig Milch kommt.
Zu weit ist sie, wenn …
viel vom dunklen Warzenhof mit in den Tunnel gezogen wird,
es am Ansatz der Brustwarze zieht oder schmerzt,
unten Milch herausläuft oder die Haube nicht dicht abschließt,
Brustwarze und Warzenhof nach dem Pumpen geschwollen sind oder ein roter, wunder Ring zurückbleibt.
Eine unpassende Haube ist mehr als ein Komfortproblem. Die Academy of Breastfeeding Medicine zählt falsche Haubengrößen, zu hohen Sog und zu lange Sitzungen zu den Gründen, aus denen eine Pumpe Brustwarze und Brustgewebe verletzen kann. Und eingerissene Brustwarzen können sich entzünden.
Oft liegt der Schmerz nicht an dir, sondern an einer Haube, die nicht zu dir passt.
Brusthaube richtig messen
Eine wissenschaftlich abgesicherte Formel für die perfekte Haube gibt es nicht. Es gibt aber einen guten Weg zu einem Startwert, und dann entscheidet der Test an deiner Brust. Du brauchst ein Lineal mit Millimeterskala oder ein Maßband. Manche Hersteller bieten auch Messschablonen zum Ausdrucken an.
Den richtigen Moment wählen: Miss nicht direkt nach dem Pumpen oder Stillen, dann ist die Brustwarze gedehnt und oft leicht geschwollen. Roll sie vorher kurz und sanft zwischen zwei Fingern, bis sie sich aufrichtet.
Nur die Brustwarze messen: Der dunkle Warzenhof drumherum zählt nicht mit.
An der breitesten Stelle messen: Meist ist das der Ansatz, also die Stelle, an der die Brustwarze aus dem Warzenhof kommt. Leg das Lineal quer an und lies den Durchmesser in Millimetern ab.
Beide Seiten messen: Schreib dir beide Werte auf. Links und rechts können unterschiedlich groß sein.
Einen Startwert festlegen: Die gängige Faustregel lautet: Durchmesser am Ansatz plus 2 bis 4 Millimeter. Manche Fachleute messen stattdessen an der Spitze der Brustwarze und nehmen dieselbe Größe oder 1 bis 2 Millimeter mehr, so empfiehlt es etwa die australische Stillvereinigung, die Australian Breastfeeding Association. Beides liefert nur einen Startwert. In einer kleinen Studie aus dem Jahr 2025 pumpten Mütter mit kleineren, individuell angepassten Hauben bequemer und im Schnitt sogar etwas mehr Milch ab als mit der üblichen Größe. Liegst du zwischen zwei Größen, probier beide aus.
An der Pumpe testen: Setz die Haube mittig auf und starte mit dem schwächsten Sog. Schau durch den durchsichtigen Tunnel: Die Brustwarze sitzt in der Mitte, gleitet mit jedem Zug locker vor und zurück und reibt nirgends. Der Warzenhof bleibt weitgehend draußen.
Nach der Sitzung prüfen: Sieht die Brustwarze aus wie vorher – nicht verfärbt, nicht deutlich geschwollen, ohne Risse –, passt die Größe.
Neu messen: spätestens, wenn die Schmerzen zurückkommen. Brustwarzen verändern sich in der Stillzeit, und deine Haube darf sich mit ihnen ändern.
Hauben in anderen Größen gibt es als Zubehör für die meisten Pumpen, etwa in der Apotheke oder im Sanitätshaus. Hast du deine Pumpe geliehen, frag dort nach anderen Größen und lass dich zu den Einstellungen beraten.
Die richtige Saugstärke
Viele drehen den Sog hoch, weil sie denken: mehr Kraft, mehr Milch. Das stimmt nur bis zu einem Punkt. In einer Studie aus Australien pumpten Mütter mit ihrem „höchsten angenehmen“ Sog, also der stärksten Stufe, die sich noch gut anfühlte. Damit floss die Milch schneller, und sie bekamen mehr heraus als mit schwächeren Stufen. Stärker als angenehm hilft dagegen nicht weiter: Zu hoher Sog gehört zu den typischen Ursachen für wunde Brustwarzen, und Schmerz bremst den Milchspendereflex.
So findest du deine Stufe:
Beginne jede Sitzung mit dem schwächsten Sog. Gleich voll aufzudrehen kann wehtun und die Brustwarze verletzen.
Warte, bis die Milch zu fließen beginnt. Das kann ein, zwei Minuten dauern.
Erhöhe dann Stufe für Stufe, bis es anfängt, unangenehm zu werden.
Geh eine Stufe zurück. Das ist dein Sog für heute.
Finde ihn bei jeder Sitzung neu. An empfindlichen Tagen liegt er niedriger, und das ist in Ordnung.
Zwei Dinge helfen dir, mit sanfterem Sog gut auszukommen. Erstens: die Hände dazunehmen. Drückst du während des Pumpens mit der flachen Hand sanft auf deine Brust, kann mehr Milch fließen. Sanft heißt ohne Kneten und ohne Schmerzen. Zweitens: beide Seiten gleichzeitig pumpen, wenn deine Pumpe das kann. In einer Studie mit 31 Müttern löste das mehr Milchspendereflexe aus als erst links, dann rechts, und brachte mehr und sogar etwas fettreichere Milch. Außerdem ist die Sitzung insgesamt kürzer.
Unterschätzt wird oft die Entspannung. Ein paar Minuten Wärme vorab, ein warmes Getränk, ein Foto oder Video deines Babys, ein getragener Body zum Schnuppern: All das hilft deinem Körper, die Milch freizugeben, auch mit weniger Sog.
Wie lange und wie oft?
Die meisten Pumpsitzungen dauern 15 bis 20 Minuten oder so lange, bis die Milch nur noch tropft. Es lohnt sich, danach noch ein paar Minuten weiterzupumpen, weil manchmal ein weiterer Milchspendereflex kommt. Mehr als 30 Minuten sind laut der australischen Stillvereinigung für die meisten Frauen aber zu lang. Hängst du regelmäßig 40 oder 50 Minuten an der Pumpe, um den letzten Tropfen zu erwischen, zahlen deine Brustwarzen dafür.
Wichtiger als die Länge ist die Regelmäßigkeit: Wie oft du Milch entnimmst, zählt meist mehr als wie lange. Pumpst du ausschließlich ab, sind in den ersten Wochen 8 bis 12 Sitzungen in 24 Stunden üblich, tagsüber etwa alle zwei bis drei Stunden und mindestens eine Sitzung in der Nacht oder am frühen Morgen. Länger als ca. vier Stunden sollte in dieser Zeit keine Pause dauern. Nachts gilt: Leg dein Baby zuerst auf den Rücken in seinen Schlafsack im eigenen Bettchen, ohne Kissen, Decke oder Nestchen, und pump erst dann. Pump nicht mit dem Baby im Arm auf Sofa oder Sessel, wo ihr beide einnicken könnt. Ist die Milchbildung nach etwa drei Monaten eingespielt, kommen viele mit 5 bis 6 Sitzungen aus, solange die Menge stabil bleibt.
Das hat direkt mit Schmerzen zu tun. Lange Pausen lassen die Brust prall werden, und eine pralle Brust ist hart, spannt und tut weh. Umgekehrt macht auch zu viel Pumpen Probleme: Wer zusätzlich pumpt, um die Brust „ganz leer“ zu bekommen, bestellt damit noch mehr Milch. Die Brust bleibt übervoll, das Gewebe schwillt an, und das Risiko für Stau und Entzündung steigt.
Eine einfache Richtschnur, sobald deine Milchmenge eingespielt ist oder du zusätzlich zum Stillen pumpst: Pumpe so oft und so viel, wie dein Baby trinken würde. In der Aufbauphase gilt sie nicht, vor allem nicht bei einem Frühchen oder kranken Baby. Dann geht es darum, die volle Tagesmenge aufzubauen, auch wenn dein Baby gerade nur wenig bekommt. Als Ziel gelten meist mindestens etwa 500 ml in 24 Stunden bis zum Ende der zweiten Woche, besser rund 750 ml. Liegt dein Baby in der Klinik, frag das Team nach deinem Ziel. Möchtest du neben dem Stillen einen kleinen Vorrat anlegen, eignet sich der Morgen, weil die Brust nach der Nacht meist am vollsten ist.
Schmerz ist kein Preis für jeden Milliliter. Er ist ein Hinweis, dem du nachgehen darfst.
Wunde Brustwarzen
Selbst mit passender Haube kann die Haut rebellieren, gerade in den ersten Wochen oder wenn du viel pumpst. Die gute Nachricht: Wunde Brustwarzen heilen meist, sobald die Ursache behoben ist. Bis dahin helfen ein paar einfache Dinge:
Muttermilch statt Creme: Streich nach dem Pumpen ein paar Tropfen Milch auf die Brustwarze und lass sie an der Luft trocknen. In Studien half das mindestens so gut wie Lanolin. Ausnahmen: Wird deine Brustwarze nach dem Pumpen weiß, deck sie sofort warm ab, statt sie an der Luft trocknen zu lassen. Bei Soor steht Trockenhalten im Vordergrund.
Lanolin nur, wenn es dir guttut: Du darfst es dünn auftragen. Besser als Muttermilch oder gar nichts wirkt es laut der Cochrane-Übersicht aber nicht, und selten löst es eine Kontaktallergie aus. Wird die Haut darunter rot und juckt, lass es weg.
Nicht schrubben: Wasch die Brustwarzen nicht extra mit Seife und desinfiziere sie nicht. Das weicht die Haut auf und reizt sie zusätzlich. Die normale Dusche genügt.
Trocken halten: Wechsle feuchte Stilleinlagen sofort, am besten nimmst du welche ohne Plastikschicht. Trag einen gut sitzenden BH ohne Bügel.
Reizstoffe meiden: Cremes, Stilleinlagen, Waschmittel oder Duftstoffe können ein Ekzem auslösen. Rötet sich die Haut, schuppt, nässt oder juckt sie, denk auch daran.
Milchauffänger sparsam nutzen: Silikonauffänger, die sich mit Unterdruck an der Brust festsaugen, können die Brustwarzen bei häufigem Gebrauch zusätzlich reizen.
Und Stillhütchen oder Brustschalen? Stillhütchen sind ein Hilfsmittel fürs Anlegen an der Brust; gegen Schmerzen beim Pumpen helfen sie nicht. Beim Stillen raten der britische Gesundheitsdienst NHS und die Academy of Breastfeeding Medicine davon ab, sie ohne guten Grund zu verwenden. Bei Brustschalen und Silberhütchen, die Stoff von wunden Brustwarzen fernhalten sollen, ist unklar, ob sie die Heilung beschleunigen. Nutzt du sie trotzdem, achte darauf, dass sich darunter keine Feuchtigkeit staut.
Solange die Brustwarzen offen sind, darfst du deine Routine anpassen: Sog herunterdrehen, die Passform prüfen, kürzer pumpen. Tut jeder Zug weh, ist Entleeren von Hand oft die sanfteste Lösung. Bei sehr starken Schmerzen kannst du die Pumpe für 12 bis 24 Stunden beiseitelegen und in dieser Zeit regelmäßig von Hand entleeren, damit die Milchmenge nicht sinkt und die Brust nicht prall wird.
Heilen offene Stellen nach ein paar Tagen trotzdem nicht, nässen sie oder bilden sich gelbe Krusten, lass sie ärztlich anschauen. Eingerissene Brustwarzen können sich entzünden.
Von Hand entleeren
Deine Hände sind die schonendste Pumpe, die du hast, und sie funktionieren überall. In den ersten Tagen nach der Geburt holen sie die zähe Vormilch oft sogar besser heraus als ein Gerät. So geht es:
Wasch dir gründlich die Hände und stell ein sauberes Gefäß mit weiter Öffnung bereit.
Wärm die Brust ein paar Minuten mit einem warmen Waschlappen an. Streich dann mit der flachen Hand in langen, leichten Bewegungen von der Achsel Richtung Brustwarze, ohne tief zu drücken.
Stütz die Brust mit einer Hand von unten. Mit der anderen formst du aus Daumen und Zeigefinger ein C, ein paar Zentimeter von der Brustwarze entfernt, knapp außerhalb des dunklen Warzenhofs.
Drück Daumen und Finger sanft zusammen, lass los und wiederhole das in einem ruhigen Rhythmus. Die Finger bleiben an ihrem Platz und rutschen nicht über die Haut.
Hab Geduld, wenn anfangs nur Tropfen kommen. Bleib im Rhythmus.
Lässt der Fluss nach, setz die Finger ein Stück weiter um die Brust herum an und beginne dort neu. Dann wechselst du die Seite.
Von Hand zu entleeren sollte nicht wehtun. Zieh nicht an der Brustwarze und quetsch sie nicht; gedrückt wird weiter hinten, am Rand des Warzenhofs. Anfangs fühlt es sich vielleicht ungeschickt an, nach ein paar Versuchen hast du den Dreh meist raus.
Deine Hände sind die schonendste Pumpe, die du hast – und sie funktionieren überall.
Wärme vorher, Kälte danach
Ein bewährtes Paar: Vor dem Pumpen ein paar Minuten Wärme, etwa ein warmer Waschlappen auf der Brust oder die Zeit direkt nach dem Duschen. Das entspannt und hilft vielen, dass die Milch leichter fließt. Ist die Brust danach empfindlich oder geschwollen, lindert Kälte Schwellung und Schmerz, direkt nach dem Pumpen und zwischen den Sitzungen: ein Kühlpack oder ein kalter, feuchter Waschlappen, jeweils etwa zehn Minuten. Wickle Kühlpacks immer in ein dünnes Tuch, damit die Kälte nicht direkt auf die Haut trifft. Quarkwickel oder Kohlblätter kannst du ebenfalls nehmen, wenn du magst; wirksam ist dabei vor allem die Kälte. In Studien kühlten Kohlblätter nicht besser als Eis.
Zwei Ausnahmen solltest du kennen:
Heiße, gerötete, geschwollene Stelle: Setz hier auf Kälte und halte Wärme kurz oder lass sie weg. Wärme weitet die Gefäße und kann die Schwellung verstärken. Die Academy of Breastfeeding Medicine empfiehlt bei Entzündungszeichen ausdrücklich Kühlen, gern auch stündlich.
Weiße, brennende Brustwarze nach dem Pumpen: Das spricht für einen Gefäßkrampf, einen Vasospasmus (mehr dazu weiter unten). Dann hilft das Gegenteil: sofort trockene Wärme, und Kälte meiden.
Gegen die Schmerzen darfst du auch etwas einnehmen. Ibuprofen und Paracetamol gelten laut Embryotox, dem Beratungszentrum für Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit an der Berliner Charité, als Schmerzmittel der Wahl in der Stillzeit. Nur sehr wenig davon gelangt in die Milch. Ibuprofen wirkt zusätzlich gegen Entzündung und Schwellung. Halte dich an die Dosierung in der Packungsbeilage, und frag in der Apotheke nach, wenn du unsicher bist oder weitere Medikamente nimmst.
Milchstau erkennen
Plötzlich spannt ein Bereich deiner Brust. Du tastest eine harte, empfindliche Stelle, vielleicht ist die Haut darüber etwas warm oder gerötet. Bei einem Milchstau bleiben die Beschwerden auf die Brust beschränkt: Deine Temperatur steigt nicht über 38,4 °C, und du fühlst dich nicht richtig krank.
Anders als der Name vermuten lässt, steckt meist kein Pfropf in einem einzelnen Milchgang, den man herausdrücken müsste. Nach heutigem Wissen sind die feinen Gänge durch gereiztes, geschwollenes Gewebe verengt. Deshalb haben sich die Empfehlungen in den letzten Jahren verändert. Vielleicht hörst du noch: kräftig ausmassieren, heiß duschen, so oft wie möglich leer pumpen. Heute raten Fachleute zu etwas anderem:
Im gewohnten Rhythmus weiterpumpen. Hör nicht plötzlich auf, das kann die Beschwerden verschlimmern. Aber pump auch nicht zusätzlich oder bis zum letzten Tropfen: Mehr Entnahme heißt mehr Milchbildung und noch mehr Druck im Gewebe.
Kühlen, nach dem Pumpen und zwischendurch, gern stündlich für einige Minuten.
Ibuprofen gegen Schmerz und Entzündung, wenn du es verträgst.
Keine feste Massage. Kräftiges Kneten oder Ausdrücken der Stelle, erst recht mit Massagegeräten oder elektrischen Zahnbürsten, verletzt das Gewebe und verstärkt die Entzündung. Erlaubt ist ganz leichtes Streichen über die Haut und sanftes Drücken mit der flachen Hand während des Pumpens.
Luft lassen. Kein enger BH, keine einschnürende Kleidung. Ideal ist ein gut sitzender, stützender BH.
Ruhe. Leg dich hin und lass dir Haushalt und Baby abnehmen, wo es geht. Das ist keine Faulheit, sondern Teil der Behandlung.
Mit solchen Maßnahmen klingt eine Entzündung oft ohne weitere Behandlung ab. Geht es dir nach 24 Stunden nicht besser, zwischendurch schlechter oder kommt Fieber dazu, lass dich ärztlich untersuchen. Ein Knoten, der nach drei Tagen noch zu tasten ist, gehört ebenfalls ärztlich abgeklärt, damit ein Abszess ausgeschlossen werden kann.
Gut zu wissen: Eine Brust in der Stillzeit fühlt sich oft knotig an, auch ohne Stau. Drüsengewebe ist nun mal nicht glatt. Knotig heißt also nicht automatisch Milchstau. Entscheidend ist, ob eine Stelle hart, schmerzhaft und gerötet ist oder größer wird – und ob ein Knoten bleibt. Ist eine feste Stelle nach drei Tagen noch zu tasten, lass sie ärztlich anschauen, auch wenn sie nicht wehtut. Meist reicht ein Ultraschall, und der ist in der Stillzeit problemlos möglich.
Vorbeugen kannst du vor allem mit gleichmäßigen Abständen, einer passenden Haube, angemessenem Sog und lockerer Kleidung. Gerät dein Tag durcheinander, etwa wegen der Arbeit, verschieb eine Sitzung lieber etwas, als sie ganz ausfallen zu lassen.
Mastitis: Brustentzündung
Wird die Stelle größer, röter und heißer und fühlst du dich krank, sprechen Fachleute von einer Mastitis, einer Brustentzündung. Typisch sind starke Schmerzen, eine geschwollene, gerötete, warme Brust und grippeähnliche Beschwerden: Mattigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost und Fieber über 38,4 °C. Auf dunkler Haut ist die Rötung oft schwer zu sehen. Achte dann besonders auf Wärme, Schwellung und Schmerz.
Miss bei Verdacht mit dem Thermometer nach. In den ersten Wochen nach der Geburt bringen die Hormone viele Frauen zum Schwitzen, und Hitzewallungen fühlen sich leicht wie Fieber an. Umgekehrt kann echtes Fieber in den ersten Wochen auch andere Ursachen haben, etwa eine Entzündung der Gebärmutter, der Kaiserschnittwunde oder der Harnwege. Sag in der Praxis deshalb immer dazu, dass die Geburt erst kurz her ist.
Hast du Fieber und fühlst dich krank, hol dir zeitnah ärztliche Hilfe: in deiner Frauenarzt- oder Hausarztpraxis, außerhalb der Sprechzeiten beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Je nach Befund bekommst du ein Antibiotikum. Es gibt mehrere, die mit dem Stillen und Abpumpen vereinbar sind; abstillen musst du deshalb nicht. Nimm es genau so lange, wie es verordnet wurde. Ist nach etwa 48 Stunden keine Besserung da, melde dich erneut.
Ganz wichtig: Deine Milch schadet deinem Baby nicht, auch nicht bei einer bakteriellen Mastitis. Du kannst sie weiter füttern, und Weiterpumpen im gewohnten Rhythmus hilft deiner Brust. Das gilt für gesunde, reif geborene Babys. Liegt dein Baby auf der Frühchen- oder Kinderstation, sag dem Team Bescheid, bevor es die Milch bekommt, etwa bei Eiter in der Milch oder wenn du ein Antibiotikum nimmst. Unter deinem Antibiotikum kann dein Baby dünneren Stuhl oder Soor bekommen. Melde das in der Kinderarztpraxis, setz das Antibiotikum aber nicht eigenmächtig ab. Mit mangelnder Hygiene hat eine Mastitis übrigens nichts zu tun, und ansteckend ist sie auch nicht.
Selten entwickelt sich aus einer Mastitis ein Abszess, eine abgekapselte Eiteransammlung. Laut der Academy of Breastfeeding Medicine betrifft das etwa 3 bis 11 Prozent der Frauen mit akuter Mastitis. Hinweise sind eine zunehmend harte, gerötete Stelle mit einer prallen Schwellung darunter oder Fieber, das erst verschwindet und dann wiederkommt. Ein Abszess muss ärztlich entlastet werden, meist über eine Nadel oder einen kleinen Schnitt. Weiterstillen oder -pumpen kannst du in der Regel trotzdem.
Vasospasmus an der Brustwarze
Du nimmst die Haube ab, und die Brustwarze ist schneeweiß. Kurz darauf brennt, pocht oder sticht sie, und oft wird sie erst bläulich oder lila und dann rot, während das Blut zurückströmt. Das ist ein Vasospasmus: Die feinen Blutgefäße ziehen sich krampfartig zusammen. Typische Auslöser sind Kälte und Temperaturwechsel, etwa direkt nach dem Pumpen, beim Heraustreten aus der warmen Dusche oder an der Tiefkühltruhe im Supermarkt.
Besonders oft betrifft es Frauen, die ohnehin schnell kalte Hände und Füße bekommen oder ein Raynaud-Syndrom haben. Das Raynaud-Phänomen ist verbreitet: Es kommt bei bis zu jeder fünften Frau im gebärfähigen Alter vor. Auch eine verletzte Brustwarze, etwa durch eine zu enge Haube, kann Gefäßkrämpfe begünstigen.
Was hilft:
Deck die Brustwarze gleich nach dem Abnehmen der Haube zu und wärm sie trocken, etwa mit einem angewärmten Tuch oder einer warmen, nicht heißen Wärmflasche im Bezug, die du nicht fest aufdrückst. Schlecht durchblutete Haut verbrennt leichter.
Pumpe in einem warmen Raum, halte Oberkörper und Füße warm und lass Kälte von der Brust fern, auch Kühlpacks.
Prüf die Passform der Haube. Reibung und Druck schaden der Brustwarze zusätzlich.
Verzichte auf Nikotin in jeder Form, auch aus E-Zigarette oder Snus, denn es verengt die Gefäße. Willst du mit Pflaster oder Kaugummi aufhören, sprich das ärztlich ab. Rauchfreiheit senkt außerdem das Risiko für den plötzlichen Kindstod.
Hilft das nicht, sprich es in deiner Frauenarzt- oder Hausarztpraxis an. Es gibt gefäßerweiternde Medikamente, die auch in der Stillzeit eingesetzt werden. Weil ein Vasospasmus oft mit Soor verwechselt wird, lohnt sich eine genaue Beschreibung: Erzähl, dass die Brustwarze vorher weiß wird und Kälte die Schmerzen auslöst.
Soor an der Brustwarze
Brennende, stechende Schmerzen, die nach dem Pumpen anhalten oder tief in die Brust ausstrahlen, lassen viele an einen Pilz denken. Tatsächlich kann ein Hefepilz, meist Candida, die Brustwarzen befallen. Typisch sind eine rosa, glänzende oder schuppige Brustwarze, Juckreiz und Schmerzen, die stärker sind, als es die Haut vermuten lässt.
Für Soor sprechen außerdem weiße Beläge im Mund deines Babys, ein hartnäckiger Windelausschlag oder ein Antibiotikum, das du oder dein Baby kürzlich bekommen habt. Trotzdem ist Vorsicht mit der schnellen Pilz-Diagnose angebracht: Fachleute sind sich uneinig, wie oft Candida tatsächlich hinter solchen Schmerzen steckt. Ähnlich fühlen sich auch eine unpassende Haube, zu hoher Sog oder ein Vasospasmus an.
Lass die Diagnose deshalb ärztlich stellen, für dich in der Frauenarzt- oder Hausarztpraxis, für dein Baby in der Kinderarztpraxis. Ist es Soor, werdet ihr beide gleichzeitig behandelt, meist mit einer Salbe für die Brustwarzen und einem Gel oder einer Suspension für den Mund deines Babys, auch wenn einer von euch keine Beschwerden hat. Sonst gebt ihr den Pilz hin und her. Trag deinem Baby kein Mundgel auf eigene Faust auf: Manche Miconazol-Gele sind wegen Erstickungsgefahr erst ab 4 Monaten zugelassen. Übrigens lassen sich Milchreste im Mund mit einem sauberen, feuchten Tuch abwischen, Soorbeläge nicht. Reinige die Pumpenteile in dieser Zeit besonders gründlich nach jeder Sitzung, und frag in der Praxis, ob zusätzliches Auskochen sinnvoll ist.
Nicht hinter jedem Brennen steckt ein Pilz. Eine klare Diagnose hilft mehr als Rätselraten.
Weitere Ursachen
Milchbläschen: Ein kleiner heller Punkt oder ein Bläschen direkt auf der Brustwarze, das beim Pumpen sticht. Stich es nicht mit einer Nadel auf. Das verletzt die Haut und kann die Entzündung darunter verstärken. Geht es nicht von selbst weg, kann dir eine Ärztin eine entzündungshemmende Creme verschreiben, die mit dem Stillen vereinbar ist.
Ekzem: Gerötete, schuppende, juckende oder nässende Haut an Brustwarze und Warzenhof kann eine Reaktion auf Cremes, Stilleinlagen, Waschmittel oder Duftstoffe sein. Lass weg, was neu ist. Ein Ekzem, das nur eine Seite betrifft und über Wochen nicht abheilt, sollte immer ärztlich untersucht werden.
Übervolle Brust: Bildet deine Brust mehr Milch, als gebraucht wird, drückt sie dumpf oder sticht scharf, sobald sie sehr voll ist, und läuft oft aus. Zusätzliches Pumpen macht es schlimmer, weil es noch mehr Milch bestellt. Pumpe dann nur statt einer Mahlzeit oder wenn die Brust vor dem Schlafen unangenehm prall ist – und nur bis zur Erleichterung.
Tut die Brust dagegen tief drinnen weh, ohne dass du außen etwas siehst, und passt nichts davon, sprich das ebenfalls ärztlich an. Auch dafür gibt es Ursachen, die sich behandeln lassen.
Ein kleines Schmerzprotokoll
Bist du unsicher, woher der Schmerz kommt, schreib zwei, drei Tage lang mit. Das klingt nach Aufwand, ist aber oft der schnellste Weg zur Ursache. Notiere bei jeder Sitzung:
Uhrzeit und Abstand zur letzten Sitzung,
Seite, Haubengröße und Sog-Stufe,
wie lange du gepumpt hast und wie viel kam,
wann es wehtat – beim Ansaugen, die ganze Zeit oder erst danach – und wie stark, auf einer Skala von 0 bis 10,
wie die Brustwarze danach aussah: normal, weiß, lila, geschwollen oder wund.
Oft zeigt sich schnell ein Muster. Tut nur die linke Seite weh, obwohl du beidseits dieselbe Haube nutzt? Wird es nach langen Pausen schlimmer? Brennt es vor allem, wenn dir kalt ist? Ein Zettel neben der Pumpe reicht dafür. Du kannst jede Sitzung aber auch in Moonsleep mit Menge und Seite eintragen und Haubengröße und Schmerzstärke als Kommentar festhalten. Sitzt du später in einer Praxis, zeigst du das Muster einfach vor, statt es aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren.
Gute Milch und heile Brustwarzen schließen sich nicht aus. Du darfst beides wollen.
Weiterpumpen und Hilfe holen
Wenn es wehtut, liegt der Gedanke nah, einfach aufzuhören. Plötzlich gar nicht mehr zu pumpen, lässt die Brust aber prall werden und kann Stau und Entzündung begünstigen. Besser: Ursache suchen, die Routine anpassen und, wenn nötig, eine Zeit lang von Hand entleeren. Möchtest du ganz aufhören, reduziere die Sitzungen nach und nach.
Hilfe bekommst du auch ohne Hebamme. Deine Frauenarzt- oder Hausarztpraxis kann Entzündungen, Soor und Vasospasmus beurteilen und behandeln. In der Apotheke bekommst du stillverträgliche Schmerzmittel und oft auch Zubehör oder eine Leihpumpe. Brauchst du aus medizinischen Gründen eine elektrische Pumpe, und dazu zählen auch stark verletzte Brustwarzen, kann deine Ärztin oder dein Arzt sie verschreiben (mehr dazu in den Fragen unten).
Falls du eine Hebamme hast oder eine Stillberatung erreichst, etwa bei den ehrenamtlichen Beraterinnen der La Leche Liga oder der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen, lass sie dir beim Pumpen zusehen. Ein zweites Paar Augen erkennt oft sofort, ob die Haube sitzt. Und wenn niemand da ist: Mit den Schritten in diesem Artikel kommst du auch allein sehr weit.
Und wenn du merkst, dass dich das Pumpen seelisch sehr belastet, dass du jede Sitzung fürchtest oder dich über Tage niedergeschlagen fühlst, sprich auch das in der Praxis an. Das gehört genauso zur Behandlung wie die wunde Brustwarze.
Zum Schluss, weil es zwischen Pumpe, Fläschchen und Uhr leicht untergeht: Du tust gerade sehr viel für dein Kind, oft mehrmals am Tag und in der Nacht. Das darf anstrengend sein. Wehtun muss es nicht. Schmerzfrei zu pumpen ist kein Luxus, sondern das Ziel.
Häufige Fragen
Darf mein Baby die Milch trinken, wenn ich Milchstau oder Mastitis habe?
Ja. Weder Milchstau noch Mastitis schaden deinem Baby, auch nicht, wenn Bakterien beteiligt sind. Die Milch musst du nicht wegschütten, und Weiterpumpen im gewohnten Rhythmus hilft deiner Brust sogar. Das gilt auch, wenn du ein Antibiotikum bekommst: Es gibt mehrere Wirkstoffe, die mit dem Stillen vereinbar sind. Sag in der Praxis einfach dazu, dass du abpumpst und dein Baby die Milch bekommt. Dann wird ein passendes Mittel ausgewählt. Liegt dein Baby auf der Frühchen- oder Kinderstation, sag dem Team vorher Bescheid.
Ich sehe Blut in der abgepumpten Milch. Was bedeutet das?
Blutet eine wunde oder eingerissene Brustwarze, landet etwas davon in der Milch. Sie ist dann rosa oder hat rötliche Schlieren, und sobald die Wunde heilt, verschwindet das. In den ersten Tagen nach der Geburt kann die Milch auch ohne Wunde rostbraun aussehen, oft auf beiden Seiten und ohne Schmerzen. Das gilt als harmlos und verschwindet meist innerhalb weniger Tage von selbst. Lass es ärztlich abklären, wenn du keine Wunde als Erklärung findest, wenn es länger als ein paar Tage anhält, wenn du in der Brust einen Knoten tastest oder wenn Eiter austritt. Wegschütten musst du die Milch meist nicht: Etwas geschlucktes Blut schadet deinem Baby nicht, kann aber den Magen reizen. Dann spuckt es vielleicht rosa oder bräunlich oder hat dunkleren Stuhl. Erwähne das in der Kinderarztpraxis. Hast du eine über Blut übertragbare Infektion wie Hepatitis B oder C oder HIV, oder liegt dein Baby auf Station, frag vor dem Füttern ärztlich bzw. beim Team nach.
Welche Schmerzmittel darf ich nehmen, während ich abpumpe?
Ibuprofen und Paracetamol gelten in der Stillzeit als Mittel der Wahl. Nur sehr kleine Mengen gehen in die Muttermilch über. Ibuprofen wirkt zusätzlich gegen Entzündung und Schwellung, etwa bei einem Milchstau. Halte dich an die Dosierung in der Packungsbeilage. Ohne ärztlichen Rat nimmst du Ibuprofen gegen Schmerzen höchstens 4 Tage, Paracetamol höchstens 3 Tage. Beide senken Fieber und können eine beginnende Brustentzündung verdecken, miss deshalb vor der nächsten Dosis. Ibuprofen ist nichts für dich bei Magen- oder Darmgeschwüren, Asthma durch Schmerzmittel, Blutgerinnungsstörungen oder schweren Nieren-, Leber- oder Herzproblemen. Metamizol, ASS oder codeinhaltige Mittel nimm nicht auf eigene Faust. Frag in der Apotheke, wenn du unsicher bist oder andere Medikamente nimmst. Schmerzmittel lindern, beheben aber nicht die Ursache.
Warum tut beim Abpumpen nur eine Seite weh?
Deine Brustwarzen können unterschiedlich groß sein. Eine Haube, die links gut passt, kann rechts reiben oder zu viel vom Warzenhof einsaugen. Miss deshalb beide Seiten getrennt und probier, wenn nötig, zwei verschiedene Größen aus. Auch eine kleine Verletzung, ein Milchbläschen oder eine beginnende Entzündung zeigt sich oft nur auf einer Seite. Schau dir die schmerzende Brustwarze nach dem Pumpen genau an und taste die Brust vorsichtig ab. Ist eine Stelle hart, gerötet oder heiß, hilft dir der Abschnitt zum Milchstau weiter.
Bekomme ich eine Milchpumpe auf Rezept?
Ja, wenn das Abpumpen medizinisch nötig ist. Übliche Gründe sind etwa stark verletzte oder blutende Brustwarzen, eine Brustentzündung, Flach- oder Hohlwarzen, zu wenig oder zu viel Milch, ein Frühchen, eine Trinkschwäche deines Babys oder wenn ihr getrennt seid. Das Rezept stellt je nach Grund deine Frauenarzt- oder Kinderarztpraxis aus. Die Krankenkasse übernimmt dann die Leihpumpe; das Pumpset mit den Hauben zahlst du oft selbst, und manchmal wird eine Kaution fällig. Frag am besten vorher bei deiner Kasse nach. Leihpumpen gibt es zum Beispiel in Apotheken, Sanitätshäusern, bei Pumpenverleihen und in manchen Kliniken. Dort kannst du dich auch zur passenden Haubengröße und zu den Einstellungen beraten lassen.
Muss ich die Pumpenteile nach jeder Sitzung auskochen?
Nein. Nach jeder Sitzung reicht es, alle Teile, die mit Milch in Berührung gekommen sind, auseinanderzunehmen, unter fließendem Wasser abzuspülen und zeitnah mit heißem Wasser und Spülmittel zu reinigen. Danach gut nachspülen und an der Luft trocknen lassen. Statt Handwäsche geht auch die Spülmaschine bei mindestens 65 °C. Sterilisieren ist laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit im Alltag nicht nötig. Bei Frühchen, sehr jungen oder kranken Babys kann das anders sein – frag dann in der Klinik oder Kinderarztpraxis nach. Mit einer Brustentzündung hat die Sauberkeit der Pumpe übrigens wenig zu tun: Mastitis ist nicht ansteckend und entsteht nicht durch mangelnde Hygiene.
Achte darauf
Notruf 112, wenn du dich plötzlich schwer krank fühlst und eines davon dazukommt: sehr schneller Atem, Verwirrtheit oder verwaschene Sprache, blaue, sehr blasse oder fleckige Haut, sehr hohes Fieber mit Schüttelfrost oder ein Ausschlag, der beim Draufdrücken nicht verblasst. Das können Zeichen einer Blutvergiftung sein. Ebenso sofort 112 bei Herzrasen oder wenn sich eine Rötung der Brust innerhalb von Stunden ausbreitet, dunkelrot, lila oder grau wird oder Blasen bildet.
Zeitnah ärztlich abklären lassen – in der Frauenarzt- oder Hausarztpraxis, außerhalb der Sprechzeiten beim ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 –, wenn …
du Fieber ab 38,5 °C, Schüttelfrost oder ein Grippegefühl hast,
eine Stelle der Brust hart, heiß und gerötet ist und größer wird oder sich die Rötung ausbreitet,
rote Streifen von der Brust Richtung Achsel ziehen,
sich Haut oder Brustwarze neu einziehen oder die Haut der Brust wie Orangenschale aussieht,
es dir nach 24 Stunden mit Kühlen, Ruhe und Schmerzmittel nicht besser geht oder zwischendurch schlechter,
Eiter aus der Brustwarze kommt oder offene Stellen nässen und gelbe Krusten bilden,
du mit Antibiotikum nach etwa 48 Stunden keine Besserung spürst.
In den nächsten Tagen ärztlich anschauen lassen, wenn …
ein Knoten nach drei Tagen noch zu tasten ist, auch ein schmerzloser,
Blut in der Milch ohne erkennbare Wunde auftaucht oder nach einigen Tagen nicht verschwindet,
die Schmerzen länger als zwei Wochen anhalten oder stärker werden,
deine Brustwarze immer wieder weiß wird und brennt,
ein Ekzem an der Brustwarze über Wochen nicht abheilt,
dein Baby weiße Beläge im Mund hat – dafür ist die Kinderarztpraxis zuständig.
Moonsleep bietet Orientierung, keine medizinische Beratung. Grundlage sind Leitlinien und Fachquellen, abgeglichen mit der Moonsleep-Referenzdatenbank.






