Seit Monaten schläft dein Kind nur an der Brust, auf dem Arm oder im fahrenden Kinderwagen ein, und nachts wirst du so oft geweckt, dass du aufgehört hast zu zählen? Irgendwann taucht die Frage auf, ob ihr etwas ändern solltet – und ob dein Baby dafür überhaupt bereit ist. Hier erfährst du, woran du das erkennst, was vorher stimmen sollte und welche sanften Wege es gibt, bei denen du dein Kind nicht allein weinen lässt.
Auf einen Blick
- Frühestens
- ca. 6 Monate
- Nachts wach
- Ø ca. 1-mal
- Allein weinen
- nicht nötig
- Anlaufstelle
- Kinderarzt
Reizwort „Schlaftraining“
Kaum ein Babythema wird so hitzig diskutiert. Für die einen klingt „Schlaftraining“ nach einem Baby, das allein im dunklen Zimmer schreit, bis es vor Erschöpfung einschläft. Für die anderen ist es schlicht ein Plan, mit dem die ganze Familie endlich wieder schläft. Dabei verstecken sich unter dem einen Wort sehr unterschiedliche Dinge:
Schreienlassen: Das Baby wird hingelegt, die Tür geht zu, und niemand kommt, bis es schläft. Fachleute nennen das Extinktion. Diesen Weg empfehlen wir nicht.
Checking, oft „Ferbern“ genannt: Eltern verlassen das Zimmer und schauen in festgelegten, meist länger werdenden Abständen nach ihrem Kind, etwa nach fünf, dann nach zehn, dann nach 15 Minuten. Getröstet wird jeweils nur kurz.
Stuhl-Methode: Du bleibst beim Einschlafen im Zimmer, tröstest bei Bedarf und rückst über viele Abende Schritt für Schritt weiter weg. In Studien heißt das „Camping-out“.
Rhythmus und Ritual: Wachzeiten, Schlafenszeit und Abendablauf so anpassen, dass dein Kind müde genug und entspannt ins Bett kommt.
Wenn wir hier von Schlafbegleitung sprechen, meinen wir vor allem die letzten beiden Punkte: Wege, bei denen du ansprechbar bleibst, dein Kind tröstest, wenn es dich braucht, und ihm trotzdem Schritt für Schritt mehr zutraust. Nicht trainieren, sondern begleiten.
Auch die Empfehlungen von Fachleuten klingen unterschiedlich. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, früher BZgA, rät klar davon ab, Babys nachts schreien zu lassen: In den ersten Lebensmonaten finden sie noch nicht allein aus großer Aufregung heraus, sie brauchen Trost – und werden davon nicht verwöhnt. Die deutsche Fachleitlinie zu seelischen Störungen im Säuglings- und Kleinkindalter, federführend erarbeitet von der Fachgesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, sieht das Checking dagegen nach der Studienlage als Mittel der ersten Wahl bei echten Ein- und Durchschlafstörungen. Sie betont aber, dass es nicht für alle Eltern passt.
Das widerspricht sich weniger, als es klingt: Es geht um unterschiedliche Alter, unterschiedlich große Probleme – und darum, was zu euch passt.
Warum frühestens ab 6 Monaten
In den ersten Lebensmonaten hat dein Baby mit seinem Schlaf noch genug zu tun. Bevor es irgendetwas „lernen“ kann, muss vieles erst reifen:
Die innere Uhr entsteht gerade erst. Das Zusammenspiel von innerer Uhr und Schlafdruck entwickelt sich im ersten halben Jahr. Schon nach einigen Wochen wird der Schlaf allmählich regelmäßiger, doch erst um etwa sechs Monate wirken Tageslicht und Dunkelheit richtig als Taktgeber für Wachsein und Schlaf.
Längere Nachtstrecken bilden sich erst heraus. Bis etwa zum sechsten Monat entwickelt sich überhaupt erst eine längere zusammenhängende Schlafstrecke. Bis dahin ist es völlig normal, dass ein Baby nachts mindestens einmal wach wird und trinken möchte – und auch danach bleibt das bei vielen Babys normal. Im zweiten Halbjahr wachen Babys im Schnitt ca. einmal pro Nacht auf, bis zu dreimal liegt noch im Rahmen.
Früh angefangen, bringt es nichts. Eine systematische Übersichtsarbeit fand keinen Beleg dafür, dass Schlafprogramme in den ersten sechs Lebensmonaten Babys oder Müttern nützen. Die Autoren warnen sogar vor unerwünschten Folgen: mehr Weinen, früheres Abstillen, mehr Ängstlichkeit bei Müttern – und, wenn das Baby dafür allein im eigenen Zimmer schlafen soll, ein höheres Risiko für den plötzlichen Kindstod.
Selbst die Diagnose hat ein Mindestalter. Von einer Einschlafstörung sprechen Fachleute nach den gängigen Kriterien frühestens ab sechs, von einer Durchschlafstörung frühestens ab acht Monaten – und auch dann nur, wenn das Problem seit mindestens vier Wochen in den meisten Nächten besteht und euch spürbar belastet.
Heißt das, du kannst vorher gar nichts tun? Doch. Ein ruhiger Tagesablauf, ein kurzes Abendritual und – ab etwa vier Monaten – ab und zu ein Baby, das du müde, aber noch wach hinlegst, sind jederzeit in Ordnung. Nur ein Programm mit festen Regeln braucht dein Kind jetzt noch nicht.
Wurde dein Baby zu früh geboren, rechne bei allen Schlafthemen bis etwa zum zweiten Geburtstag mit dem korrigierten Alter, also ab dem errechneten Geburtstermin. Ein Baby, das zwei Monate zu früh kam, ist mit acht Lebensmonaten nach dieser Rechnung sechs Monate alt.
Und ganz wichtig: Sechs Monate sind kein Startschuss. Viele Familien brauchen nie einen Plan, weil sich der Schlaf von selbst ordnet oder das nächtliche Aufwachen für sie in Ordnung ist. Das Alter sagt nur, ab wann eine Veränderung sinnvoll sein kann – nicht, ab wann sie fällig ist.
Erst die Basis prüfen
Bevor du an Einschlafgewohnheiten gehst, lohnt sich ein ehrlicher Check – oft wird das Problem schon dabei kleiner.
Dein Kind ist gesund. Mit einem Infekt oder mit Schmerzen ist nicht die Zeit für Neues. Auch Allergien, Neurodermitis oder Unverträglichkeiten können den Schlaf stören. Schnarcht dein Kind regelmäßig laut, atmet es im Schlaf sichtbar angestrengt oder macht es Atempausen, lass das in der Kinderarztpraxis abklären. Und: Schlaf- oder Beruhigungsmittel sind kein Weg. Melatonin oder müde machende Tropfen gibst du nie auf eigene Faust, und Honig ist im ersten Lebensjahr tabu, auch nicht auf dem Schnuller.
Dein Kind gedeiht und ist satt. Nimmt es gut zu, trinkt und isst es tagsüber genug? Was das für Mahlzeiten in der Nacht bedeutet, liest du weiter unten. Bist du unsicher, sprich es in der Kinderarztpraxis an, etwa bei der U5 im 6. bis 7. Monat oder bei der U6 im 10. bis 12. Monat.
Der Tagesrhythmus passt zum Alter. Ein Kind, das zu früh ins Bett soll, hat noch zu wenig Schlafdruck. Eines, das viel zu lange wach war, ist überdreht. Beides sieht abends ähnlich aus: Protest. Die Richtwerte im Kasten unten helfen beim Einordnen.
Der Schlafplatz ist sicher und gemütlich. Eigenes Bett, Schlafsack, dunkel, ruhig und eher kühl – Details im Kasten „Sicher schlafen“ weiter unten.
Bei euch ist gerade Ruhe. Umzug, Urlaub, Kita-Start oder ein neues Geschwisterchen: In solchen Zeiten brauchen Kinder oft besonders viel Nähe. Verschiebt größere Veränderungen lieber auf ein paar ruhige Wochen danach.
Ihr seid euch einig und habt etwas Kraft übrig. Alle, die dein Kind abends und nachts betreuen, sollten den Weg kennen und mittragen – ein Weg, den nur einer von euch geht, ist für dein Kind schwer zu verstehen. Und die ersten Abende sind oft zäh.
Zur Orientierung: Insgesamt schlafen Babys zwischen sechs und zwölf Monaten meist ca. 12–16 Stunden in 24 Stunden, mit ein bis zwei Jahren ca. 11–14 Stunden. Beim Nachtschlaf in den Richtwerten sind kurze Wachphasen mitgerechnet. Manche Kinder brauchen deutlich weniger, andere mehr – entscheidend ist, ob dein Kind tagsüber fit ist.
Die Richtwerte ab sechs Monaten im Überblick – Spannen, keine Pflicht:
Mit 6 Monaten: ca. 2–3 Std. wach am Stück, 2–3 Nickerchen, nachts ca. 10½–11½ Std.
Mit 9 Monaten: ca. 2½–3½ Std. wach am Stück, meist 2 Nickerchen, nachts ca. 11–12 Std.
Mit 12 Monaten: ca. 3–4 Std. wach am Stück, 1–2 Nickerchen, nachts ca. 11–12 Std.
Mit 18 Monaten: ca. 4–5½ Std. wach am Stück, 1 Mittagsschlaf, nachts ca. 11–12 Std.
Schlafenszeit: meist 18–19:30 Uhr im ersten Lebensjahr, danach 18–20 Uhr – je nach Aufstehzeit.
Einschlafen: im Schnitt ca. 20 Min. Dauert es viel länger, ist dein Kind oft noch nicht müde oder schon übermüdet.
Wach am Stück ab 6 Monaten
- Mit 6 Monaten
- 2–3 Std.
- Mit 9 Monaten
- 2½–3½ Std.
- Mit 12 Monaten
- 3–4 Std.
- Mit 18 Monaten
- 4–5½ Std.
Wann sich etwas ändern darf
Du bist damit nicht allein: Ein- und Durchschlafprobleme betreffen nach der deutschen Leitlinie etwa 20 bis 30 Prozent der kleinen Kinder, und fast jede dritte Familie mit einem Kind unter drei Jahren macht sich irgendwann Sorgen um dessen Schlaf. Einen Grenzwert, ab dem ihr etwas ändern müsst, gibt es trotzdem nicht – entscheidend ist, wie es euch geht. Diese Anzeichen sprechen dafür, dass eine Veränderung guttun könnte:
Du bist dauerhaft am Limit. Nicht nur müde nach einer schlechten Nacht, sondern seit Wochen erschöpft, gereizt, vielleicht auch niedergeschlagen. Das ist ein ernstzunehmender Grund. In einer australischen Studie hatten zwei von drei Müttern mit deutlichen depressiven Beschwerden ein Baby mit Schlafproblemen – der Zusammenhang kann in beide Richtungen wirken. Kannst du selbst dann nicht schlafen, wenn dein Baby schläft, kann das ein Zeichen für eine Depression oder Angststörung nach der Geburt sein. Dann geht es nicht nur um den Babyschlaf: Sprich es in deiner Haus- oder Frauenarztpraxis an.
Das Zubettbringen zieht sich. Dein Kind braucht regelmäßig deutlich länger als eine halbe Stunde, bis es schläft, obwohl Schlafenszeit und Ritual passen. Im Schnitt schlafen Babys und Kleinkinder nach ca. 20 Minuten ein.
Die Einschlafhilfe ist dir zu viel geworden. Stundenlanges Tragen, Runden mit dem Auto, Anlegen bei jedem Seufzer: Solange es für dich passt, ist all das in Ordnung. Reibt es dich auf oder kann niemand außer dir übernehmen, darf sich etwas ändern.
Dein Kind wacht oft auf und findet schwer zurück in den Schlaf, obwohl es gesund und satt ist und sein Rhythmus zum Alter passt. Gemeint sind nicht ein, zwei kurze Wachphasen, sondern Nächte, in denen es über Wochen immer wieder lange wach ist oder nur mit viel Hilfe weiterschläft.
Dein Kind wirkt tagsüber übermüdet. Kleine Kinder zeigen Schlafmangel oft nicht durch Gähnen, sondern durch Quengeln, schlechte Laune und auffällig viel Bewegungsdrang.
Einen schnellen Selbstcheck schlägt die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin vor: Braucht dein Kind meist 30 Minuten oder länger, um einzuschlafen oder nachts wieder in den Schlaf zu finden? Fällt es im Schlaf auf, etwa durch lautes Schnarchen? Ist es tagsüber fit? Wie viel Zeit verbringt es vor Bildschirmen (unter drei Jahren empfehlen Fachleute möglichst gar keine)? Und fühlst du dich durch sein Schlafverhalten beeinträchtigt? Die Antworten sind keine Diagnose, zeigen dir aber, ob es eher um Rhythmus und Gewohnheiten geht oder ein Blick von außen sinnvoll wäre.
Und wann müsst ihr gar nichts ändern? Wenn euer Alltag funktioniert – auch wenn andere erzählen, ihr Baby schlafe längst durch. In einer kanadischen Studie schliefen je nach Definition 28 bis 57 Prozent der Babys mit sechs und mit zwölf Monaten nachts noch nicht sechs bzw. acht Stunden am Stück. Mit ihrer geistigen oder motorischen Entwicklung und mit der Stimmung ihrer Mütter hing das nicht zusammen. Auffällig war nur: Babys, die durchschliefen, wurden deutlich seltener gestillt. Wacht dein gestilltes Kind nachts öfter auf, ist das also verbreitet und für sich allein kein Warnsignal. Und mit neun Monaten wacht etwa jedes vierte Baby mehr als zweimal pro Nacht auf.
Dein Baby macht nichts falsch, wenn es nachts ruft. Und du nicht, wenn du dich nach Ruhe sehnst.
Was die Forschung sagt
Zu verhaltensbasierten Schlafmethoden gibt es erstaunlich viele Studien. Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:
Sie wirken, zumindest für einige Monate. Eine Arbeitsgruppe der amerikanischen Fachgesellschaft für Schlafmedizin hat 52 Studien ausgewertet. In 94 Prozent davon halfen die Methoden, und über 80 Prozent der behandelten Kinder schliefen danach deutlich besser – über drei bis sechs Monate hinweg.
Eltern profitieren mit. In einer großen australischen Studie bekamen Familien, deren Baby mit sieben Monaten schlecht schlief, mit acht bis zehn Monaten eine kurze Beratung in der kommunalen Mütterberatung. Danach hatten die Babys seltener Schlafprobleme und ihre Mütter weniger depressive Beschwerden – Letzteres sogar noch, als die Kinder zwei Jahre alt waren.
Langzeitschäden wurden nicht gefunden – dauerhafte Vorteile aber auch nicht. Fünf Jahre später, mit etwa sechs Jahren, wurden dieselben Kinder noch einmal untersucht. Bei Gefühlen, Verhalten, Stress, Schlaf und der Beziehung zu den Eltern gab es keine Unterschiede zu Kindern, deren Familien keine Beratung bekommen hatten.
Auch Stresshormone und Bindung wurden gemessen. In einer kleinen, sorgfältig kontrollierten Studie mit 43 Babys zwischen sechs und 16 Monaten zeigten weder das Checking noch ein vorübergehend späteres Zubettgehen erhöhte Stresswerte im Speichel. Ein Jahr später waren die Kinder genauso häufig sicher an ihre Mütter gebunden wie in der Vergleichsgruppe.
Sie passen nicht für alle. Die deutsche Leitlinie hält fest, dass viele Eltern solchen Methoden zurückhaltend bis ablehnend gegenüberstehen und dass etwa 20 bis 30 Prozent der Familien, die es strukturiert versuchen, nicht ausreichend davon profitieren. Ängstlichere Kinder sprechen auf Methoden mit mehr räumlicher Trennung offenbar schlechter an. Und Eltern, denen das Weinen ihres Kindes besonders zusetzt, haben damit weniger Erfolg.
Zur ehrlichen Einordnung gehört auch: Viele Studien stützen sich auf Angaben der Eltern, und die Forschenden selbst wünschen sich objektivere Messungen. Die meisten dieser Studien wurden mit gesunden Kindern gemacht, viele davon im zweiten Lebenshalbjahr oder später. Und „kein Schaden gefunden“ heißt nicht, dass sich jede Methode für jedes Kind und jede Mutter gut anfühlt.
Warum wir hier die sanften Wege in den Vordergrund stellen: Die deutsche Leitlinie beschreibt ausdrücklich auch ein Vorgehen, bei dem Eltern im Zimmer bleiben und sich nur schrittweise zurückziehen, und es gibt erfolgreiche Elternprogramme ganz ohne Weinenlassen. Solche Wege brauchen manchmal mehr Geduld. Dafür sind sie für viele Eltern leichter durchzuhalten und respektieren, was Babys brauchen: Nähe, wenn sie aufgewühlt sind. Ein Baby ohne Trost allein weinen zu lassen, empfehlen wir deshalb nicht.
Kein Schaden gefunden heißt nicht, dass sich jeder Weg für jede Familie gut anfühlt.
Weg 1: Rhythmus und Ritual
Klingt unspektakulär, ist aber oft der wirksamste Schritt. In einer Studie mit gut 400 Familien schliefen Babys und Kleinkinder zwischen sieben Monaten und drei Jahren schon nach zwei Wochen mit einem festen Abendritual schneller ein und wachten seltener und kürzer auf, und die Stimmung der Mütter wurde besser. Das Ritual bestand dort aus Bad, Massage oder Eincremen und ruhigem Kuscheln, und die Studie wurde von einem Hersteller von Pflegeprodukten finanziert – ihr Ergebnis passt aber zur übrigen Forschung. Eine Befragung von Müttern mit über 10.000 Kindern bis fünf Jahre in 13 Ländern und Regionen zeigte außerdem: Je regelmäßiger das Ritual, desto besser der Schlaf.
So baust du ein Ritual, das trägt
Kurz und immer gleich: etwa eine halbe Stunde, jeden Abend in derselben Reihenfolge. Zum Beispiel: letzte Mahlzeit, Wickeln und Schlafanzug, Zähneputzen, ein Buch oder ein Lied, euer Gute-Nacht-Satz, Licht aus.
Die Milch nach vorn: Schläft dein Kind bisher beim Trinken ein, leg die Mahlzeit an den Anfang des Rituals statt ans Ende. Danach kommen Zähneputzen, Buch und Bett. So erlebt dein Kind nebenbei, dass Trinken und Einschlafen zwei verschiedene Dinge sein können.
Die letzte Stunde ruhig: gedämpftes Licht, keine wilden Spiele, kein Bildschirm. So kann dein Kind langsam herunterfahren.
Müde, aber noch wach ins Bett: Die American Academy of Pediatrics empfiehlt das ab etwa vier Monaten, deutsche Fachstellen ebenso. Anfangs darf deine Hand auf seinem Bauch liegen, und du darfst leise weitersummen.
Gleiche Zeiten, viel Tageslicht: Regelmäßige Zeiten fürs Zubettgehen und Aufstehen, am besten auch am Wochenende, und helles Tageslicht am Vormittag helfen der inneren Uhr, Tag und Nacht auseinanderzuhalten.
Wenn das Einschlafen trotzdem ewig dauert, liegt es oft nicht an deinem Kind, sondern am Timing: Es ist schlicht noch nicht müde genug. Dann hilft ein vorübergehend späteres Zubettgehen, in der Fachsprache „Bedtime Fading“. In der Studie mit den 43 Babys verkürzte es die Einschlafzeit deutlich. Die Methode setzt am Timing an, nicht am Weinenlassen. So gehst du vor:
Schreib eine Woche lang auf, wann dein Kind abends tatsächlich einschläft – nicht, wann du es hinlegst.
Leg die Schlafenszeit fürs Erste auf diesen Zeitpunkt. Schläft dein Kind meist erst gegen 20:15 Uhr ein, beginne das Ritual so, dass es gegen 20 Uhr im Bett liegt.
Schläft es an ein paar Abenden hintereinander innerhalb von etwa 20 Minuten ein, zieh die Schlafenszeit um 10 bis 15 Minuten vor und halte sie wieder ein paar Abende.
So tastet ihr euch in kleinen Schritten an eure Wunschzeit heran, im ersten Lebensjahr meist irgendwo zwischen 18 und 19:30 Uhr. Steht ihr morgens später auf, darf sie auch etwas später liegen. Die Aufstehzeit bleibt dabei fest, auch nach einem späten Abend.
Auch das Gegenteil kommt vor: Bleibt dein Kind weit über seine übliche Wachzeit hinaus auf, wird es oft nicht müder, sondern aufgedrehter. Dann ist früher ins Bett manchmal die Lösung. Dein Protokoll zeigt, in welche Richtung es bei euch geht.
Dauert das Einschlafen ewig, liegt es oft nicht an deinem Kind, sondern am Timing.
Weg 2: Einschlafhilfen abbauen
Ob an der Brust, im Arm oder unterwegs: Babys schlafen so ein, wie sie es kennen – das ist ganz normal. Knifflig wird es, weil alle Kinder nachts mehrmals kurz aufwachen, meist beim Übergang von einem Schlafzyklus zum nächsten. Solche Zyklen dauern bei Babys und kleinen Kindern nur ca. 45–60 Minuten. Ist beim Aufwachen alles anders als beim Einschlafen, ruft dein Kind nach genau der Hilfe, mit der es eingeschlafen ist.
Die Idee dieses Weges: Du nimmst nichts auf einmal weg, sondern machst die Hilfe in kleinen Stufen kleiner. Jede Stufe bleibt so lange, bis sie sich für euch beide gut anfühlt. Ein paar Beispiele:
Wenn dein Kind nur beim Stillen oder mit der Flasche einschläft: Beende das Trinken, sobald dein Kind langsamer saugt und die Augen schwer werden, und leg es schläfrig ab – eine Hand auf dem Bauch, leises Summen. Protestiert es stark, darfst du es noch einmal kurz anlegen. Mit der Zeit schafft es die letzten Minuten bis zum Schlaf ohne Trinken. Die Flasche nimmst du heraus, sobald es nur noch nuckelt, und gibst sie nie mit ins Bett – Dauernuckeln an der Flasche schadet den Zähnen.
Wenn es nur auf dem Arm oder beim Schaukeln einschläft: Schaukle kürzer und langsamer: erst im Gehen wiegen, dann im Stehen sanft wiegen, dann im Sitzen nur noch halten. Irgendwann legst du dein Kind schläfrig ab und bleibst mit der Hand bei ihm, bis es schläft.
Wenn du dich zum Einschlafen dazulegen musst: Setz dich stattdessen ans Bett und halte seine Hand, bis es eingeschlafen ist. Das ist der Einstieg in die Stuhl-Methode.
Nachts hilft eine Trost-Treppe. Nicht jedes Aufwachen braucht sofort den ganzen Einsatz. Laut der American Academy of Pediatrics ist es normal, dass ein sechs Monate altes Baby nachts aufwacht und nach ein paar Minuten von selbst weiterschläft. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin rät, nicht auf jedes Erwachen sofort zu reagieren, und das Nationale Zentrum Frühe Hilfen empfiehlt, einem Kind nur so viel Unterstützung zu geben, wie es gerade braucht. Das kann so aussehen:
Einen Moment abwarten und lauschen: Meckert dein Kind nur im Halbschlaf, oder wird es richtig wach?
Leise Stimme, Summen, ein vertrautes Schlafwort – ohne das große Licht anzumachen.
Hand auflegen, sanft streicheln oder im Takt klopfen.
Hochnehmen, bis es ruhig ist, und schläfrig wieder hinlegen.
Stillen oder Flasche, wenn es wirklich Hunger hat.
Du gehst nur eine Stufe höher, wenn die vorige nicht reicht. Ist dein Kind richtig aufgewühlt, darfst du jederzeit direkt nach oben springen – bei Kindern, die sich schwer beruhigen lassen, ist das oft der bessere Weg. Und ein plötzlicher, schriller Schrei, der nach Schmerz oder Angst klingt, heißt immer: sofort hingehen. Es geht nicht darum, Trost zu sparen, sondern deinem Kind die Chance zu geben, die unteren Stufen selbst zu schaffen.
Weg 3: Die Stuhl-Methode
Die Stuhl-Methode ist die bekannteste Form des schrittweisen Zurückziehens, und auch die deutsche Fachleitlinie beschreibt sie: erst neben dem Bett sitzen, dann über mehrere Tage schrittweise abrücken, schließlich hinausgehen. Dahinter steckt ein schöner Gedanke: Dein Kind bekommt die Sicherheit, nicht allein zu sein. Und du gewinnst das Vertrauen, ihm den nächsten Schritt zuzutrauen.
So kann es konkret aussehen
Die ersten Abende: Stuhl direkt ans Bett. Nach dem Ritual legst du dein Kind wach ins Bett, sagst euren Gute-Nacht-Satz und setzt dich daneben. Du darfst streicheln, die Hand halten und leise summen. Weint es heftig, nimm es hoch, bis es ruhig ist, und leg es dann wieder hin.
Nach einigen Abenden: Stuhl ein Stück weg. Jetzt sitzt du etwa auf halbem Weg zur Tür. Trösten ist weiter erlaubt, vor allem mit der Stimme. Aufstehen kannst du, wann immer dein Kind dich braucht – danach setzt du dich wieder hin.
Später: Stuhl an die Tür. Du bist noch zu sehen und zu hören, aber nicht mehr in Reichweite.
Zum Schluss: vor der Tür. Die Tür bleibt einen Spalt offen, du bist in Hörweite. Irgendwann gehst du nach dem Gute-Nacht-Satz hinaus und kommst, wenn dein Kind dich ruft.
Wie lange jede Stufe dauert, bestimmt ihr. Als Faustregel: Geh erst weiter, wenn die aktuelle Stufe an zwei, drei Abenden hintereinander gut klappt. Und geh ruhig einen Schritt zurück, wenn ein Infekt oder ein Entwicklungsschub dazwischenkommt. Schläft dein Kind in eurem Schlafzimmer, gehst du im letzten Schritt einfach hinaus und kommst zu deiner eigenen Schlafenszeit zurück – ein eigenes Kinderzimmer braucht es für diesen Weg nicht.
Was dabei hilft
Freundlich, aber ein bisschen langweilig bleiben: leise Stimme, gedämpftes Licht, kein Spielen, kein Handy. Nachts braucht dein Kind keine Unterhaltung, sondern Ruhe und das Gefühl, dass du da bist.
Nachts genauso wie abends: Wacht dein Kind auf, setzt du dich auf deinen aktuellen Platz. So erlebt es jedes Mal dasselbe.
Tagsüber kleine Trennungen üben: Einschlafen ist für Kinder immer auch ein Abschied von dir. Wer tagsüber erlebt, dass Mama oder Papa kurz weg sind und verlässlich wiederkommen – beim Versteckspiel oder bei der Oma –, dem fällt das Loslassen am Abend oft leichter.
Ein Trostbegleiter ab dem ersten Geburtstag: Für Kleinkinder kann ein kleines Kuscheltier oder Schnuffeltuch den Übergang erleichtern. Im ersten Lebensjahr bleibt das Bett aber frei von weichen Gegenständen.
Dein Kind spürt: Ich bin nicht allein. Und du lernst, ihm den nächsten Schritt zuzutrauen.
Stillen, Flasche und die Nacht
Viele Eltern fragen sich, ob sie nachts noch füttern „dürfen“. Die kurze Antwort: ja. Die deutschen Fachgesellschaften für Kinder- und Jugendmedizin und für Schlafmedizin gehen zwar davon aus, dass gesunde Babys über sechs Monate nachts in der Regel keine Mahlzeit mehr brauchen. Das ist eine Aussage über den Nährstoffbedarf, keine Aufforderung zum Abstillen: Die WHO empfiehlt, neben der Beikost bis zum zweiten Geburtstag und darüber hinaus zu stillen, und nächtliches Stillen gehört für viele dazu. Du musst es nicht beenden, solange es für euch beide passt.
Hilfreich ist ein genauer Blick: Trinkt dein Kind nachts richtig, lange und ruhig? Oder nuckelt es nur ein paar Züge und schläft dabei sofort wieder ein? Im zweiten Fall ist die Brust oder die Flasche eher Einschlafhilfe als Mahlzeit. Je älter dein Kind wird, desto seltener ist Hunger der Grund fürs Aufwachen.
Wenn du nächtliche Mahlzeiten reduzieren möchtest, geh behutsam vor
Sorg tagsüber für genug Milch und, je nach Alter, Beikost, damit dein Kind satt in die Nacht startet.
Nimm dir eine Mahlzeit nach der anderen vor, nicht alle auf einmal.
Verkürze die Mahlzeit schrittweise oder fülle etwas weniger in die Flasche, statt sie von heute auf morgen zu streichen. Weniger heißt dabei nur: weniger Menge. Das Pulver dosierst du immer genau nach Packungsangabe und verdünnst die Milch nie.
Wenn möglich, übernimmt die andere Bezugsperson nachts das Trösten. Dann ist die Brust gar nicht erst in Reichweite.
Für die Nachtflasche hältst du abgekochtes Wasser in einer sauberen Thermoskanne bereit und rührst das Pulver erst direkt vor dem Füttern ein. Fertige Milch nicht warmhalten, Reste wegschütten.
Spannt deine Brust, weil eine Mahlzeit wegfällt, streich nur so viel Milch mit der Hand aus, bis es sich besser anfühlt, und kühle. Leer pumpen regt die Milchbildung eher an. Bei einer harten, geröteten, schmerzhaften Stelle mit Fieber oder Grippegefühl lass dich ärztlich untersuchen.
Nimmt dein Kind nicht gut zu, ist es krank oder hast du Zweifel, besprich die Nachtmahlzeiten in der Kinderarztpraxis.
Euer Plan, Schritt für Schritt
Oft ist weniger mehr: Wer alles gleichzeitig verändert, weiß am Ende nicht, was geholfen hat. So könnt ihr vorgehen:
Beobachten: Schreib ein bis zwei Wochen lang auf, wann dein Kind einschläft, aufwacht, trinkt und isst und was nachts geholfen hat. Fachleute empfehlen ein solches Schlafprotokoll, weil einzelne Nächte stark schwanken. Ob Zettel oder eine App wie Moonsleep, in der du Schlaf und Mahlzeiten mit einem Tipp einträgst, ist egal – wichtig ist, dass alle mitschreiben, die dein Kind betreuen.
Die Basis anpassen: Schlafenszeit, Wachzeiten und Abendritual nach den Richtwerten ausrichten und etwa eine Woche so laufen lassen. Manchmal ist das Problem damit schon kleiner.
Eine Veränderung auswählen: entweder eine Einschlafhilfe verkleinern oder mit der Stuhl-Methode beginnen. Viele Familien starten abends mit dem Einschlafen, andere üben lieber zuerst tagsüber beim ersten Nickerchen, wenn alle ausgeruht sind.
Dranbleiben: Gib jeder Stufe ein paar Abende. Ein schlechter Abend zwischendurch ist normal und kein Zeichen, dass es nicht klappt.
Nach etwa zwei Wochen Bilanz ziehen: Schläft dein Kind schneller ein? Seid ihr nachts seltener oder kürzer wach? Wirkt es tagsüber ausgeglichener? Auch kleine Fortschritte zählen. Bewegt sich gar nichts, passt vielleicht der Weg nicht, oder es steckt etwas anderes dahinter.
Krank, zahnend, im Urlaub? Dann pausiert ihr. Ein krankes Kind braucht so viel Nähe, wie es eben braucht, und auch in den Tagen nach einer Impfung darf es mehr sein. Beim Zahnen geht es meist nur um ein paar Tage: In einer großen Studie häuften sich die Beschwerden in den vier Tagen vor bis drei Tage nach dem Durchbruch. Wichtig ist nur, danach wieder in euren Ablauf zurückzufinden, bevor sich die Ausnahme zur neuen Gewohnheit macht.
Wann ihr innehaltet: Macht eine Pause oder geht einen Schritt zurück, wenn dein Kind sich vor Aufregung erbricht, in Panik gerät und sich auch auf dem Arm kaum beruhigen lässt oder tagsüber deutlich ängstlicher, anhänglicher oder appetitloser wird. Und auch dann, wenn es sich für dich falsch anfühlt.
Wenn ihr zu zweit seid, sprecht vorher ab, was ihr tut, wenn euer Kind weint, wer welche Abende übernimmt und wann ihr gemeinsam Bilanz zieht.
Begleiten heißt: da sein, während dein Kind etwas Neues schafft.
Eure Familie, eure Werte
Wie Kinder schlafen, ist auch eine Frage der Kultur. Die deutsche Leitlinie beschreibt Schlafmuster als Zusammenspiel aus kulturellen Erwartungen, Lebensumständen, Erziehungsvorstellungen und dem Wesen des Kindes. In manchen Familien wird ein Kleinkind selbstverständlich in den Schlaf gestillt, in anderen schläft es mit einem Jahr im eigenen Zimmer. Nächtliches Aufwachen ist dabei normal, und das Bedürfnis nach Nähe gehört von Geburt an zu jedem Kind.
Behandlungsbedürftig ist Schlaf nach dieser Leitlinie erst, wenn er das Kind oder die Familie dauerhaft und tiefgreifend beeinträchtigt. Alles davor ist eure Entscheidung. Es gibt keinen Wettbewerb darum, wessen Kind zuerst allein einschläft. Und niemand darf dir vorschreiben, wie viel Nähe dein Kind nachts bekommen soll – weder in die eine noch in die andere Richtung.
Eine Grenze gibt es allerdings, und die hat nichts mit Erziehungsstil zu tun: den sicheren Schlafplatz. Am sichersten schläft dein Baby im ersten Lebensjahr in seinem eigenen Bett oder Beistellbett in eurem Schlafzimmer.
Hier bekommst du Hilfe
Manches verwächst sich, manches nicht: Echte Schlafstörungen bleiben ohne Beratung häufig bis ins Schulalter bestehen. Hilfe zu holen ist also kein Versagen – und du musst dafür nicht erst völlig verzweifelt sein. Die meisten Angebote sind kostenlos oder werden von der Krankenkasse übernommen:
Die Kinderarztpraxis: Sie klärt, ob etwas Körperliches hinter dem schlechten Schlaf steckt, und kennt spezialisierte Beratungsstellen in eurer Nähe. Du musst nicht auf die nächste U-Untersuchung warten.
Schreiambulanzen und Babysprechstunden: Der Name täuscht: Sie helfen auch, wenn Babys und Kleinkinder sehr schlecht schlafen. Der erste Termin kann rund zwei Stunden dauern. Je nach Stelle gehören ein ausführliches Gespräch, eine Untersuchung und das Beobachten, wie ihr euer Kind beruhigt, dazu, und ihr bekommt konkrete Tipps. Auf einen Termin wartest du oft zwei bis vier Wochen, in dringenden Fällen geht es meist schneller. Frag im Zweifel vorher nach möglichen Kosten.
Frühe Hilfen und Beratungsstellen: In allen Kommunen gibt es Anlaufstellen, die Familien mit kleinen Kindern kostenlos beraten und bei Bedarf eine Familienhebamme oder eine Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin vermitteln. Auskunft gibt dir das Jugend- oder Gesundheitsamt. Auch Familien- und Erziehungsberatungsstellen helfen, wenn der Schlaf euren Alltag bestimmt.
Das Elterntelefon: Unter 0800 111 0 550 sprichst du anonym und kostenlos mit jemandem, der zuhört – montags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags von 9 bis 19 Uhr.
Wenn es dir seelisch schlecht geht: Die Selbsthilfeorganisation Schatten & Licht e. V. unterstützt bei psychischen Krisen rund um die Geburt. Das gilt auch für Väter: Etwa jeder zehnte erlebt in der Zeit rund um die Geburt eine Depression. Auch deine Hausärztin, deine Frauenärztin oder, falls du eine hast, deine Hebamme sind gute erste Ansprechpartnerinnen. Die TelefonSeelsorge erreichst du rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.
Wenn dir die Nerven durchgehen: Leg dein Kind an einen sicheren Ort, zum Beispiel ins Gitterbett, verlass kurz den Raum und atme tief durch. Schau alle paar Minuten nach ihm und hol dir Unterstützung. Schüttle dein Baby niemals – das kann schwere, lebenslange Schäden verursachen. Sag das auch allen, die dein Kind betreuen. Ist es doch passiert oder befürchtest du, dass jemand dein Kind geschüttelt hat, bring es sofort in die nächste Klinik oder ruf die 112, auch wenn es zunächst unauffällig wirkt.
Ihr dürft euch Zeit lassen
Ob ihr etwas verändert, wann und wie, entscheidet ihr. Fang mit der Basis an: gesund, satt, ein Rhythmus, der zum Alter passt, und ein Abendritual, auf das sich dein Kind freut. Oft wird es dadurch schon leichter.
Und wenn ihr einen Schritt weitergeht, dann in eurem Tempo und so, dass du dich dabei noch wie du selbst fühlst. Dein Kind lernt dabei nicht nur, allein einzuschlafen. Es lernt auch, dass du da bist, wenn es dich braucht. Beides passt wunderbar zusammen.
Häufige Fragen
Ab wann kann ich mit Schlaftraining anfangen?
Frühestens ab etwa sechs Monaten, bei Frühchen nach dem korrigierten Alter. Vorher reifen innere Uhr und Schlafrhythmus noch, und eine systematische Übersichtsarbeit fand keinen Nutzen von Schlafprogrammen in den ersten sechs Lebensmonaten. Trotzdem kannst du vorher viel Gutes tun: ein ruhiger Tagesablauf, ein kurzes Abendritual und, ab etwa vier Monaten, ab und zu müde, aber noch wach hinlegen. Und: Sechs Monate sind kein Termin, an dem du anfangen musst. Viele Familien brauchen nie einen Plan.
Schadet „Ferbern“ der Bindung zu meinem Kind?
Nach dem heutigen Stand der Forschung gibt es dafür keine Belege. In Studien fanden sich weder erhöhte Stresswerte noch eine unsicherere Bindung, und auch fünf Jahre später, mit etwa sechs Jahren, gab es keine Unterschiede bei Gefühlen, Verhalten oder der Beziehung zu den Eltern – allerdings auch keine dauerhaften Vorteile. Die deutsche Fachleitlinie betont außerdem, dass die Methode nicht für alle Familien passt und manche Kinder schlechter darauf ansprechen. Deshalb stellen wir die sanften Wege in den Vordergrund, bei denen du im Zimmer und ansprechbar bleibst. Welcher Weg zu euch passt, entscheidet ihr.
Muss mein Baby mit einem Jahr durchschlafen?
Nein. „Durchschlafen“ heißt in der Forschung je nach Studie fünf bis acht Stunden am Stück, oft reicht schon Mitternacht bis fünf Uhr. Viele Kinder schaffen das bis zum ersten Geburtstag, längst nicht alle. Kurzes Aufwachen bleibt aber normal: Zwischen dem ersten und zweiten Geburtstag wachen Kinder im Schnitt noch knapp einmal pro Nacht auf, manche öfter. Entscheidend ist, ob dein Kind danach wieder in den Schlaf findet und wie es euch damit geht. Ob und wann ein Kind durchschläft, sagt übrigens nichts über seine Entwicklung aus.
Darf ich mein Kind weiter in den Schlaf stillen?
Ja. Wenn es für euch passt, gibt es keinen Grund, daran etwas zu ändern. Bedenke nur: Ein Kind, das an der Brust einschläft, sucht beim nächtlichen Aufwachen oft wieder die Brust. Möchtest du das ändern, leg das Stillen an den Anfang des Abendrituals und beende es nach und nach etwas früher, bevor dein Kind ganz eingeschlafen ist. Ob es nachts noch Mahlzeiten braucht, hängt von Alter und Gedeihen ab. Im Zweifel frag in der Kinderarztpraxis nach.
Was, wenn mein Partner und ich uns nicht einig sind?
Das ist kein Drama – oft kann einer das Weinen schwerer aushalten, und der andere ist müder. Sprecht zuerst über das Ziel, nicht über die Methode: Soll das Einschlafen kürzer werden? Wollt ihr euch nachts abwechseln können? Soll eine bestimmte Einschlafhilfe wegfallen? Einigt euch dann auf einen Weg, mit dem ihr beide leben könnt, und probiert ihn zwei Wochen lang gemeinsam aus. Kommt ihr gar nicht zusammen, kann ein Gespräch in einer Familienberatungsstelle oder in der Kinderarztpraxis helfen.
Wie lange dauert es, bis sich etwas bessert?
Das ist sehr unterschiedlich. In einer Studie schliefen Kinder mit einem festen Abendritual schon nach zwei Wochen besser. Das schrittweise Zurückziehen mit der Stuhl-Methode braucht oft länger, weil jede Stufe ein paar Abende bekommt. Rechne eher in Wochen als in Tagen und miss den Erfolg an eurem Ziel, nicht an einer perfekten Nacht. Bewegt sich nach zwei bis drei Wochen gar nichts oder geht es euch schlechter, lass dein Kind in der Kinderarztpraxis anschauen und hol dir Unterstützung, zum Beispiel in einer Schreiambulanz.
Achte darauf
Lass den Schlaf deines Kindes in der Kinderarztpraxis abklären, wenn …
… es regelmäßig laut schnarcht, im Schlaf sichtbar angestrengt atmet oder Atempausen macht.
… es nicht gut zunimmt, auffällig wenig trinkt oder isst oder häufig Schmerzen zu haben scheint.
… Fieber länger als drei Tage anhält.
… die Schlafprobleme trotz aller Mühe über Wochen bestehen und euch sehr belasten.
… ein bisher guter Schläfer plötzlich deutlich schlechter schläft – dann zuerst an eine Krankheit denken, zum Beispiel an die Ohren.
… dein Kind zu früh geboren wurde und Atemprobleme hatte oder eine Grunderkrankung hat. Dann sprich jede Schlafumstellung vorher ärztlich ab.
Sofort ärztliche Hilfe, im Notfall über die 112, braucht dein Kind, wenn es schwer atmet, blaue oder graue Lippen hat, Atempausen mit Verfärbung oder Schlaffheit macht, Hautflecken hat, die sich mit einem Glas nicht wegdrücken lassen, sich kaum wecken lässt, teilnahmslos wirkt, das Trinken verweigert, einen Krampfanfall hat oder dir irgendetwas grundlegend anders vorkommt als sonst. Außerhalb der Praxiszeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Und für dich: Fühlst du dich seit Wochen leer und hoffnungslos, oder hast du Gedanken, dir oder deinem Kind etwas anzutun, hol dir sofort Hilfe – bei der TelefonSeelsorge (0800 111 0 111, rund um die Uhr), beim ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder im Notfall über die 112.
Moonsleep bietet Orientierung, keine medizinische Beratung. Grundlage sind Leitlinien und Fachquellen, abgeglichen mit der Moonsleep-Referenzdatenbank.






